Zeitzeuge

In der DDR wurden dafür speziell für die Trassenbaustellen Baracken entwickelt und als Bausätze angeliefert. Drei getrennte identische Abteilungen mit separaten Eingängen und Sanitäreinrichtungen bildeten zusammen eine Wohneinheit. Nach einem Rasterplan konnten Zimmergrößen und -anordnungen durch versetzbare Zwischenwände nahezu beliebig variiert werden. Die mit Außenentwässerung versehenen Pultdächer waren thermoisoliert und verblendet. Die erstaunlich dünnen Außenwände sollten laut Angaben des Herstellers bis –35°C verkraften können. Tatsächlich mussten sie aber später im Ural Temperaturen weit unter –40°C standhalten. Eine zusätzliche Verblendung aus weißem geripptem Kunststoff reflektierte im Sommer die Sonneneinstrahlung und minderte kosmetisch den ’Barackeneindruck’. Das gesamte Bauwerk ruhte auf einem Hohlfundament. Dadurch war es verhältnismäßig einfach die notwendigen Versorgungsleitungen zu verlegen, anzuschließen, bzw. Wartungsarbeiten durchzuführen."

Thomas Burow
ehemaliger Trassenbauer

7 :WOHNUNGEN, KINDERGÄRTEN, STRASSEN.

"FREUNDSCHAFT IN AKTION."

Die russischen Beobachter waren von den Bauaktivitäten der deutschen Kollegen beeindruckt. Fast noch mehr als über den eigentlichen Bau der Trasse staunten sie über die Infrastruktur, die begleitend geplant und gebaut wurde. Ganze Stadtteile mit Wohnungen, Kaufhallen, Kindergärten und Krankenhäusern wurden für den Betreiber der Trasse, die Sowjetunion, errichtet. Die vorgefertigten Platten für die Räume stammten aus Cottbus und Gera. Die Trassenbauer bauten Straßen, Wasser- und Abwasserleitungen und verlegten Strom- und Fernmeldeinrichtungen. An einzelnen Standorten waren zwischen 800 und 2000 Mitarbeitern unterzubringen und zu versorgen.

Dazu kam der Bau der Unterkünfte für Menschen, die an der Trasse arbeiteten. Es wurden Wohnbaracken vom Typ "Dölbau" und "Brandenburg" eingerichtet, die aus einzelnen Räumen mit Gemeinschaftstoiletten und Waschräumen für alle bestanden.

Für die Trassenbauer, die mit dem Rohrleitungsbau beschäftigt waren, gab es einfache Wohn-Bauwagen, Wasch- und Toilettenwagen. Aus denselben Wagen wurde ein Küchentrakt errichtet, der mit einem aus zwei einfachen Baracken gebauten Essenssaal verbunden war. Es entstanden an den Verdichterstationen sogar Gewächshäuser, die die anfallende Wärme beim Verdichten nutzten.