Extreme Bauten:
Die Querung des Dnestr

Eine besondere Herausforderung stellte zum Beispiel der Bau einer Rohrbrücke im Iwano-Frankowsker Gebiet von 250 Metern Länge über den Dnestr dar.

Die sonst übliche Methode des Dükerns, dem Unterführen der Pipeline unter dem Fluss, erwies sich hier als untauglich, da der Flussgrund zum großen Teil aus granithartem Felsen und Rollgestein bestand.

Betonstützen wurden mühevoll in den Fels getrieben; oftmals brachte dabei eine Arbeit von zwölf Stunden jedoch nur wenig Gewinn. Auf diese im Flussbett verankerten Stützen zogen die Bauleute Stück für Stück die tonnenschwere und bereits am Ufer zusammengeschweißte Rohrleitung. Die Rohrbrücke lag am Ende in einer Höhe von 12 Metern über dem Fluss, um auch einem eventuellen Wasserstand von 10 Metern standzuhalten. Während der gesamten Bauzeit durfte der Schiffsverkehr natürlich nicht beeinträchtigt werden.

4 :Schlamm, Frost und Flüsse – Technik im Grenzbereich

"... IM GRENZBEREICH ..."

Fünf bis sechs Verlegerkräne haben den geschweißten Strang nach und nach abgesenkt, dabei ist der eine oder andere auch schon mal umgefallen...
Foto: Klaus Weiße

Der Bau von Erdgasleitungen in zum Teil unwegsamem Gelände machte enorme technische Anstrengungen nötig. Die Rohre selbst stammten aus Japan, Italien und der BRD. Es gab auch Rohre aus der Sowjetunion, die allerdings eine nicht so hohe Qualität hatten. Die Dimensionen der Rohre aus hochfestem Stahl waren weltweit einmalig: Sie hatten einen Durchmesser von 142 Zentimetern. Die Wandstärke betrug zwischen 16 und 19 Millimeter. Es ging aber nicht nur allein um das Verlegen der mächtigen Stahlrohre. Auch Straßen wurden gebaut, zahlreiche Verkehrslinien mussten gequert werden, Freileitungen wurden auf Stützen erstellt. Da es für viele Herausforderungen keine technischen Vorbilder gab, wurden neuartige Verfahren zur Querung von Sümpfen, zum Bezwingen von Steilhängen und Einsatz von Schweißautomaten entwickelt.

Insbesondere der Trassenbau in den achtziger und neunziger Jahren hatte mit äußerlich sehr extremen Bedingungen zu kämpfen. So wurden Teile der Trasse im Permafrostboden, d.h. im ganzjährig tief gefrorenen Boden verlegt. Umgekehrt konnte in Sumpfgebieten nur während der Frostperiode gearbeitet werden. So wuchsen die Kosten zum Teil ins Ungeheuerliche, d.h. es wurden bis zu einer Million Rubel für einen Kilometer veranschlagt. Mehrere tausend Kilometer Rohre wurden durch unzugängliche Wälder gelegt. Große Teile der Trasse führten durch bergige Gebiete wie im Ural und den Karpaten.

Doch es ging nicht nur um das Verlegen von Rohren. Im Abstand von gut 100 Kilometern der Trasse mussten so genannte Verdichterstationen gebaut werden. Gigantische Kompressoren gewährleisteten, dass der Druck für den Erdgastransport in den Rohren konstant blieb. Jede dieser Stationen hat das Ausmaß einer mittleren Industrieanlage. Im Verdichtergebäude befinden sich eine Reinigungsanlage, eine Kühlanlage und Turbinen.