Zeitzeuge

Zehntausend ostdeutsche Frauen und Männer bauten an einer so genannten transkontinentalen Trasse, die in ihrer Dimension einmalig ist. Was die Trassenbauer damals leisteten, war Teil eines Werkes, das auch Westeuropa versorgt hat und immer noch versorgt. Die Gasproduktion ist heute privatisiert. Der russische Konzern Gasprom kann gar nicht so viel liefern, wie aus Europa verlangt wird. Der Bau der Ostseepipeline und der Einstieg von Altbundeskanzler Gerhard Schröder in das Gasgeschäft zeigen, dass die Geschichte der Trasse noch lange nicht vorbei ist – und damit auch nicht die Geschichte der Trassenbauer."

Dr. Herbert Junk
Referatsleiter für Verkehrspolitik und Bundesbeteiligungen im Bundeswirtschaftsministerium

2 :DAS ABENTEUER BEGINNT – DIE DRUSCHBA

"IN RUSSLAND WAR EBEN ALLES EINE DIMENSION GRöSSER."

Eine Leitung wird "gemolcht". Molche fließen mit dem Erdgas von einer Station zur anderen. Durch ihre rotierenden Bewegungen reinigen sie die Rohrwand und schieben den Schmutz mit sich aus dem Rohr. Da das Kondensatauffangbecken noch nicht fertig war, bläst das Gas mit Hochdruck in die Umgebung.
Fotos: Heinz Gust

Das erste Trassenbauvorhaben der DDR, welches 1975 begonnen wurde, sollte die Erdgas-Lagerstätte in Orenburg erschließen und eine Erdgasleitung bis nach Uschgorod an die Westgrenze der UdSSR verlegen. Der Bauabschnitt, für den die DDR verantwortlich war, verlief durch die Ukraine von Krementschug am Dnepr bis nach Bar (Ukraine) in der Westukraine. Die Standorte waren Krementschug (am Dnepr), Alexandrowka, Talnoje, Gaisin, Bar sowie Tscherkassy (am Dnepr), wo die Baustellendirektion ihren Sitz hatte. Weitere Baustellen waren die beiden mobilen Wohnlager in Glinsk und Spola.

Am 26. März 1975 fuhren die ersten 450 Trassenbauer (von insgesamt 5.000 bis 1979) in die Sowjetunion. Zwei Jahre später, am 1. November 1977, übergab Erich Honecker in Moskau Leonid Breschnew das Ehrenbuch der Erbauer der Druschba-Trasse, in dem über die Erfüllung der Verpflichtungen zu Ehren des 60. Jahrestages der Oktoberrevolution berichtet wird. Ende 1979 reisten dann die letzten Trassenbauer wieder nach Hause.

Der Auftrag Druschba-Trasse war erfüllt.