Trassentrinklied

Dieser irre Sonntag
bei Krementschug,
hast du noch'n Wodka,
komm, nehm' wir noch'n Schluck,
ich bin nicht mehr bei Kasse,
he, Alter, alles klar,
auf die Leute an der Trasse
von Krementschug bis Bar!

Dieser kurze Frühling
bei Krementschug,
gestern lag da Schnee noch,
heute ist's 'n Schlammloch,
und Staub wird morgen stieben,
he, Alter, alles klar,
auf die Leute an der Trasse
von Krementschug bis Bar!

Der Sommer wird ein heißer
bei Krementschug,
die Arbeit der Schweißer
geht nicht hau-ruck,
und Rohr braucht's noch 'ne Masse,
he, Alter, alles klar,
auf die Leute an der Trasse
von Krementschug bis Bar!

Dieser irre Sonntag,
vergeßt ihn nicht,
steht nicht in der Zeitung,
in keinem Bericht,
gehört zur Erdgasleitung,
he, Alter, alles klar,
auf die Leute an der Trasse
von Krementschug bis Bar!

Gerd Eggers

10 :Kultur.

"... AUF DIE LEUTE AN DER TRASSE VON KREMENTSCHUG BIS BAR.."

Eingeschneit
Foto: Klaus Weiße

Obwohl oder gerade weil an der Trasse hart gearbeitet wurde, normalerweise in einem 10 bis 12 Stunden-Schichtsystem, war der Wunsch nach Kultur groß. Ein eigens dafür eingerichteter Bereich für Kultur und Freizeit bot eine Vielzahl von Angeboten. So gab es Kinos und Diskos an der Trasse, Nachrichtensendungen aus der Heimat, Speisesäle wurden beschallt und Bibliotheken wurden eingerichtet, die intensiv genutzt wurden. Höhepunkte waren aber die Konzerte renommierter DDR-Künstler. Es gehörte für die Kulturschaffenden der DDR schon beinahe zum Pflichtprogramm, wenigstens einmal im Jugendobjekt der "Freien deutschen Jugend", der "Druschba-Trasse", aufzutreten.

Obwohl das letzte Rohr vor mehr als zehn Jahren verlegt wurde, gibt es auch heute noch eine "Trassen-Kultur". Mit eigenen Internetseiten und so genannten Trassentreffen wird die Erinnerung an damals hochgehalten. Einige Trassenbauer haben sogar wieder die alten Einsatzorte besucht. Der eingetragene Verein 'Tscheburaschka e.V.', der von ehemaligen Trassenangehörigen gegründet wurde, unterstützt ein Waisenhaus im Ural und hat es sich zum Ziel gesetzt Waisenkindern an ehemaligen Trassenstandorten zu helfen.

Zahlreiche Veröffentlichungen berichten von den unterschiedlichsten Aspekten, die das Leben an der Trasse prägen, seien es Berichte über die Technik oder den Alltag der "Trassniks", wie sich die Trassenbauer nennen. Auf diese Art und Weise sind auch zahlreiche Gedichte und Lieder aus der Bauzeit der Erdgastrasse überliefert.