Zeitzeuge:

Wir gestalten unser Leben an der Seite der Sowjetunion in einer großen Familie der sozialistischen Staaten und Völker. Diese brüderliche Gemeinschaft eröffnet unserem Volk und seiner Jugend immer neue begeisternde Perspektiven und Aufgaben. Ein Beispiel dafür ist die über tausende Kilometer führende Erdgasleitung von Orenburg im Ural bis zur Westgrenze der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, welche die sozialistischen Länder während der nächsten Jahre gemeinsam bauen werden. Die sozialistische Deutsche Demokratische Republik wird eine Strecke von 550 Kilometern errichten. Das Politbüro des Zentralkomitees unserer Partei hat sich diesen Bau gut überlegt und hat beschlossen, der Freien Deutschen Jugend vorzuschlagen, den Bau dieses Abschnittes der Erdgasleitung als zentrales Jugendobjekt zu übernehmen. (Beifall)

Erich Honecker

Zeitzeuge

Zehntausend ostdeutsche Frauen und Männer bauten an einer so genannten transkontinentalen Trasse, die in ihrer Dimension einmalig ist. Was die Trassenbauer damals leisteten, war Teil eines Werkes, das auch Westeuropa versorgt hat und immer noch versorgt. Die Gasproduktion ist heute privatisiert. Der russische Konzern Gasprom kann gar nicht so viel liefern, wie aus Europa verlangt wird. Der Bau der Ostseepipeline und der Einstieg von Altbundeskanzler Gerhard Schröder in das Gasgeschäft zeigen, dass die Geschichte der Trasse noch lange nicht vorbei ist – und damit auch nicht die Geschichte der Trassenbauer."

Dr. Herbert Junk
Referatsleiter für Verkehrspolitik und Bundesbeteiligungen im Bundeswirtschaftsministerium

1 :Druschba heisst Freundschaft

„NICHT JEDER HATTE DIE HAUT, SO ETWAS MITZUMACHEN.”

Dreier Sektionen werden zur Montage abgeladen. Abladen von Rohrbögen. Schweißnahrvorbereitung durch die "Anbauer". Hier sieht man schon die Zugstange der Innenzentriervorrichtung.
Fotos: Jürgen Strödel

Erdgas wird für unsere Energieversorgung immer wichtiger. Der Ausbau der vorhandenen Erdgasleitungen in der Sowjetunion seit Beginn der siebziger Jahre zeigt eindrücklich, was für ein enormer menschlicher, materieller und finanzieller Aufwand nötig war, um diesen wertvollen fossilen Brennstoff durch die Weiten Russlands zu transportieren und Abnehmern in ganz Europa zugänglich zu machen.

Im Jahr 1966 wurden in Westsibirien riesige Erdgaslagerstätten entdeckt. Um diese Vorkommen zu erschließen, war ein Netz von zusätzlichen Erdgasleitungen nötig. Am 1. Februar 1970 schloss die Sowjetunion mit der Bundesrepublik ein Abkommen, das sich auf ein Schlagwort verkürzen lässt: "Gas gegen Devisen". Um den Vertragsverpflichtungen nachzukommen, werden die sozialistischen "Bruderstaaten" von der Sowjetunion verpflichtet, den Bau der Erdgastrassen zu unterstützen. Dafür bekamen sie einen Teil des geförderten Erdgases kostenfrei.

1974 wurde auf einer Tagung des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW), der sozialistischen Wirtschaftsgemeinschaft, in Sofia der Bau einer 2750 Kilometer langen Erdgasleitung von Orenburg im Südural bis an die Westgrenze der Sowjetunion beschlossen. Mit dabei waren neben der DDR auch Bulgarien, Ungarn, die Tschechoslowakei und Polen. Der Anteil der DDR bestand im Bau von etwa 550 Kilometern Erdgastrasse, beginnend am Dnjepr, endend in der Westukraine an der Grenze der damaligen Sowjetunion. Erich Honecker legte das Vorhaben in die Hände der DDR-Jugendorganisation, der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Der Bau der "Trasse" war nicht nur eine gigantische technische Leistung, sondern bekam auch eine wichtige propagandistische Funktion. Für alle sichtbar, manifestierte sich hier die enge Zusammenarbeit der DDR mit der Sowjetunion. Das gemeinsame Projekt bekam den Namen "Druschba" – Freundschaft.